Methodik
Wie Semantik Kur’ân arbeitet — und wo es haltmacht
Semantik Kur’ân ist eine Forschungswerkbank für das belegbasierte Studium koranischer Begriffe. Ihr Grundsatz ist ein einziger: Der Gebrauch bezeugt die Bedeutung, Richter aber sind die Wortprägung (waḍʿ) und die Absicht des Gesetzgebers. Das System sammelt Belege, stellt sie dar und heftet jeder Behauptung ihre Rohdaten an; das Urteil bleibt stets bei der Forscherin bzw. dem Forscher. Diese Werkbank ist ein Werkzeug der Entdeckung, kein Richterstuhl.
Stammbaum der Methode
Farāhī — naẓm und innere Kohärenz
Ein Wort erhält seinen Sinn im eigenen Gewebe des Korans. In Semantik Kur’ân entspricht dem die Kontext-zuerst-Ansicht: Jedes Vorkommen wird zusammen mit seinem Vers gezeigt.
Izutsu — semantische Felder
Ein Begriff trägt gemeinsam mit dem Netz der ihn umgebenden Begriffe eine Weltsicht. In Semantik Kur’ân entspricht dem der Feldgraph, der aus gemeinsamem Vorkommen und Embedding-Nachbarschaft gebildet wird — eine Kante wird erst durch menschliche Freigabe dauerhaft.
Akdemir — diachrone Sicht
Die Bedeutung fließt durch die Zeit. In Semantik Kur’ân entspricht dem die Ansicht der Offenbarungschronologie: die Verteilung eines Begriffs auf mekkanische und medinensische Zeit sowie sein Verlauf von Sure zu Sure.
Vier Grenzen — offen benannt
Diese Methoden sind mächtig, aber begrenzt. Semantik Kur’ân verbirgt die Grenzen nicht; in der Randnotiz ⓘ jedes Panels steht die jeweils einschlägige.
Wurzel-Trugschluss
Die Herkunft eines Wortes bestimmt nicht seine Bedeutung im Gebrauch (Barrs Einwand). Deshalb steht die Etymologie in Semantik Kur’ân in einem Hintergrundpanel; der Beleg aus dem Gebrauch führt stets.
Zirkularitätsrisiko
Aus einem Wortnetz eine ’Weltsicht’ abzuleiten, kann das Urteil dessen, der die Karte zeichnet, in die Karte hineintragen (die Sapir-Whorf-Debatte). Die Kandidaten im Feldgraphen sind deshalb nur Kandidaten; über eine Beziehung urteilt der Mensch.
Korpusgrenzen
Die Offenbarungsreihenfolge und die Einteilung in mekkanisch/medinensisch sind umstritten; die morphologische Auszeichnung ist Menschenwerk. Semantik Kur’ân verwendet eine einzige wissenschaftliche Tradition (Tanzil-Chronologie + QAC), und zwar transparent.
Ideologische Verengung
Begriffe auf einen einzigen politisch-theologischen Rahmen zu reduzieren, ist der Tod der Methode. Deshalb ist im Eintragsschema der Abschnitt ’Gegenlesarten’ verpflichtend.
Quellenverzeichnis (geschlossene Welt)
| Quelle | Rolle | Lizenz/Hinweis |
|---|---|---|
| Korantext + türkische Übersetzung | Verstexte (6.236) | interne Zusammenstellung |
| Quranic Arabic Corpus v0.4 | Wurzel-/Lemma-Morphologie (~130.000 Wörter) | GPL-Bedingungen, mit Quellenangabe |
| Tanzil-Metadaten zu den Suren | Mekkanisch/medinensisch + Offenbarungsreihenfolge | wortgetreue Weitergabe |
| Tanzil-Übersetzungssammlung (8 Werke) | Vergleichsmatrix der Übersetzungen | nicht kommerziell (werkstattintern) |
| al-Mufradāt — Rāghib al-Iṣfahānī (gest. 502 H) | Klassisches Koranlexikon (1.695 Einträge) | gemeinfrei (OpenITI-Edition) |
| Lisān al-ʿArab — Ibn Manẓūr (gest. 711 H) | Klassisches arabisches Lexikon (9.153 Einträge) | gemeinfrei (OpenITI-Edition) |
| Hadithkorpus — die Sechs Bücher + Riyāḍ aṣ-Ṣāliḥīn | Einschlägige Überlieferungen + Hadithsuche (22.891) | arabische Originale gemeinfrei; kein Echtheitsgrad angegeben |
| Ṣaḥīḥ Asbāb al-Nuzūl (Ibrāhīm M. al-ʿAlī) | Berichte über Offenbarungsanlässe (Zeugenschicht; Echtheitsgrad aus der Quelle zitiert) | moderne Zusammenstellung — werkstattinterne Nutzung; vor der öffentlichen Freischaltung erneut geprüft |
| Exegese-Korpora — Elmalılı (YEK) · al-Rāzī · al-Ṭabarī · Ibn Kathīr · al-Qurṭubī | Exegetische Zeugen zu Versen und Begriffen (~33.000 Passagen) | gemeinfreie Originale; die Zuordnung erfolgt semantisch |
| Lokal erzeugte Vers-Embeddings | Ähnlichkeitsnachbarschaft | lokale Erzeugung |
| Semantische Familien von quran-bil-quran | 35 Wurzelfamilien + Konvergenzgefüge (externe Kuratierung, Rang der Assoziation) | MIT — DOI 10.5281/zenodo.19451931 |
| Bible-Geocoding-Data (openbible.info) | Nur interne Qualitätssicherung: Abgleich der Koordinaten bei gemeinsamer Geographie (kein Inhalt übernommen) | CC BY 4.0 |
Regal der externen Quellen
Die folgenden Quellen dienen der Forschung als NACHSCHLAGEWERK — wegen ihrer Rechte- und Lizenzlage werden sie NICHT als Daten in den Atlas übernommen. Jede Zeile sagt klar, was verwendet wird und was nicht (fail-closed geführte Rechtedisziplin).
- Usul.aiKI-gestützte Suchplattform über mehr als 15.000 islamische Texte — Nachschlagewerkzeug; geschlossene Plattform, keine Datenübernahme.
- Altafsir.com (Aal al-Bayt)Umfangreiches Exegese-Korpus — urheberrechtlich geschützt; nur zum Nachschlagen, es wird kein Text übernommen (unser Rechtetor für Exegesen ist ohnehin fail-closed).
- Madain ProjectEnzyklopädie des islamischen Erbes — urheberrechtlich geschützt («owns the copyright»); nur externe Verlinkung, keine Inhaltsübernahme.
- QAC-Begriffsontologie (corpus.quran.com)Hierarchie koranischer Begriffe — die GPL-Morphologie nutzen wir mit Quellenangabe; von der Ontologie gibt es keine herunterladbare Fassung, daher nur zum Nachschlagen.
- Wörterbuch Ancient Arabia (huma-num)Begutachtetes wissenschaftliches Wörterbuch — CC BY 4.0; der Eintrag zum Damm von Maʾrib wird in Fundbehauptungen zitiert.
Zitierrichtlinie
Die künstliche Intelligenz erzeugt ausschließlich Entwürfe, und jeder ihrer Sätze muss einen Nachweis (Sure:Vers) oder [Quelle: …] tragen; übersteigt der Anteil nachweisloser Sätze 10 %, wird der Entwurf automatisch abgewiesen. Kein KI-Text erscheint ohne menschliche Freigabe. Jede Zusammenstellung trägt eine Stempelkette, die zeigt, aus welchen Quellversionen sie entstanden ist.
Semantik Kur’ân ist keine Urteilsmaschine. Sie legt denen, die gute Fragen stellen, wohlgeordnete Belege vor — das Übrige ist die Redlichkeit der Wissenschaft.